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WISSENSCHAFT: Nervengift Benzilat aus dem Kalten Krieg infographic

Benzilat, ein Nervengift aus der Zeit des Kalten Kriegs

03/09/2018
Graphic News

March 9, 2018 -- Bekannt auch als BZ, QNB oder Agent 15. Benzilat ist ein Nervengift, das im Kalten Krieg eingesetzt wurde und chemische Signale im gesamten Zentralnervensystem – Gehirn und Rückenmark – blockiert, sowie auch das periphere Nervensystem im ganzen Körper.

1952 entwickelten Chemiker des Schweizer Pharma-Unternehmens Hoffman-La Roche ein Arzneimittel zur Behandlung von Magengeschwüren, 3-Quinuclidinyl Benzilat. Obwohl das Mittel erfolgreich bei Ulcus eingesetzt werden konnte, hatte es einen Nebeneffekt – es verursachte Halluzinationen.

Allerdings zog die farblose Flüssigkeit mit dem leicht fruchtigen Geruch die Aufmerksamkeit von US Wissenschaftern auf sich, die am US Army Chemical Centre an einem Projekt zur Entwicklung von potentiell "Handlungsunfähig machenden Stoffen" arbeiteten.

Nach fünf Jahren fanden die Forscher, dass LSD und Marihuana zu unberechenbar waren, um als halluzinogene Waffen eingesetzt zu werden. Systematische Tests von 3-Quinuclidinyl Benzilat – kurz Benzilat, BZ oder Buzz genannt – begannen im Juli 1960.

Der Armeepsychiater James Ketchum, der an diesem Programm von 1960 bis 1969 arbeitete, beschreibt die Entwicklung von BZ in seinen Memoiren "Chemische Kriegsführung: Fast vergessene Geheimnisse".

Bis März 1963 fanden sich über 300 gesunde Männer für freiwillige Experimente am Edgewood Arsenal, nordöstlich von Baltimore, Maryland, ein. Dort wurde ihnen von Armeeärzten BZ oral, als Injektion in Venen und Muskeln, Inhalation und über die Haut, verabreicht.

Studien der Pharmakologie von BZ bestätigten die Wirkung von BZ. Eine Dosis von 5 oder 6 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht löste Halluzinationen aus. Das Äquivalent eines kaum sichtbaren Sandkorns machte einen Soldaten Funktionsunfähig für zwei bis vier Tage. Die letale Dosis wurde auf das vierzigfache dieser Funktionsunfähigkeitsdosis geschätzt.

BZ wird über die Lungen absorbiert und durchbricht schnell die Blut-Hirn-Schranke. Im Gehirn suchen BZ Moleküle Rezeptoren für Acetylcholin und Serotonin-Moleküle, den Neurotransmittern, die physische und mentale Aktivität auslösen.

Für gewöhnlich spalten Enzyme den Transmitter, Über-Stimulation der Rezeptoren wird verhindert. Wenn aber durch BZ blockiert, senden die Rezeptoren ständig Impulse aus. Blockierte Serotonin Rezeptoren führen zu sensorischer Überlastung und Halluzination während Acetylcholin Rezeptoren Muskeln über-stimulieren, es kommt zu Spasmen und raschem Verlust der Kontrolle über vitale Funktionen wie Herz und Atmung.

Bosnische Serben haben mutmaßlich BZ Geschosse gegen den Exodus von 12.000 Menschen aus der Srebrenica Enklave im Juli 1995 eingesetzt. Zwei Drittel wurden gefangengenommen oder getötet, viele der Überlebenden litten unter Halluzinationen.

Im Dezember 2012 sickerten Berichte aus der Stadt Homs in Syrien durch, dass Regierungstruppen das "Agent-15", ein BZ-ähnliches Nervengift, eingesetzt hatten. Unzählige Personen wurden vergiftet, litten unter Halluzinationen und Verhaltensveränderungen.

Die Vereinigten Staaten zerstörten ihre Lagerbestände von BZ Clusterbomben in den späten 1980ern.


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